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Justinian I. ArtikelJustinian I., genannt "der Große" (*ca. 482 in Tauresium †14.11 565 in Konstantinopel) war byzantinischer Kaiser von 527 bis 565.
Europa in dem Zeitalter Justinians I.
Die Regierungszeit Justinians markiert den Übergang von oströmischer hin zu byzantinischer Geschichte und somit den Übergang von römischer Tradition zu byzantinischer Regierung. In dem Zuge dieser Entwicklung wurde 542 vom Kaiser das altrömische Amt des Konsuls abgeschafft. Nun war auch nicht mehr das Volk der Souverän (ein Relikt aus der römischen Republik, welches als Illusion die Kaiserzeit überdauerte), sondern der durch Gott eingesetzte Kaiser. Bereits vorher war der Kaiser als primus inter pares reine Fiktion gewesen war (siehe Prinzipat). Heftige Kritik äußerte bereits der Historiker Prokopios von Caesarea, der die wichtigste Quelle für die Zeit Justinians darstellt.
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Flavius Petrus Sabbatius Justinianus war ein ungefähr 482 geborener Bauernsohn thrakischer Herkunft (und nicht, wie ab und zu behauptet, slawischer; der Name Sabbatius ist thrakischen Ursprungs) aus dem Dorf Tauresium bei Skopje. Seine Muttersprache war das Lateinische, was mit ein Grund für seine starke "Westorientierung" war. Justinian war ein Neffe Justin I., der in dem kaiserlichen Heer Karriere gemacht hatte und schließlich zu dem Kaiser gewählt wurde. Schon zu Lebzeiten seines Onkels, der ihn als Sohn und Nachfolger adoptierte, beherrschte Justinian die Reichspolitik und wurde nach Justins Tod zu dem Kaiser gewählt. Er war verheiratet mit der Kaiserin Theodora I. und blieb kinderlos.
Justinian I. starb am 11. oder 14.11 565 in Konstantinopel.
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Justinians Politik strebte die Wiederherstellung der Macht des Kaiserreiches über die kultivierte Ökumene nach römischem Vorbild an (Restauratio imperii). Dies zwar nicht von Anfang an, aber spätestens nach den Erfolgen von Justinians Feldherr Belisar über die Vandalen 534 wurde die Restauration zu einer Ausprägung der justinianischen Politik. Unter seiner Herrschaft wurden große Teile des alten Römischen Imperiums zurückerobert und Byzanz wurde ein Weltreich. Die Kriege Justinians werden vom Historiker Prokop eingehend geschildert.
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Der Krieg gegen die Sassaniden war ein Erbe aus der Regierungszeit Justin I.. Der Kriegsschauplatz erstreckte sich dabei vom Kaukasus (vor allem in Armenien und um die wichtige Festung Petra am Schwarzen Meer, wo Justinians General Sittas bis zu seinem Tod 539 sehr erfolgreich operierte), bis nach Mesopotamien. Dort konnte Belisar 530/31 als Magister militum per Orientem erste Erfolge erzielen (bei Dara), musste aber auch Niederlagen erleiden (wie bei Callinicum). Mit dem persischen König Chosrau I. schloss Justinian 532 einen von hohen Tributzahlungen an die Perser begleiteten Waffenstillstand, den so genannten "ewigen Frieden". Diese (scheinbare) Ruhe in dem Osten machte erst Justinians Westpolitik einer Restauratio imperii möglich, da die Ressourcen Ostroms bereits stark strapaziert wurden.
540 brachen die Kämpfe allerdings erneut aus (wohl von der berechtigten Sorge Chosraus ausgehend, dass ein erneuertes Römerreich stärkere Ressourcen mobilisieren könnte; eventuell spielte auch ein ostgotisches Bündnisangebot eine Rolle). Die größte Katastrophe war zweifellos die Eroberung, Plünderung und anschließende Zerstörung der Weltstadt Antiochia in Syrien, wobei Chosrau gewaltige Schätze und zahlreiche Gefangene nach Persien überführte. Die ohnehin zu kleine oströmische Armee (die Mannschaftsstärke betrug etwa 150, Tausend Mann) musste nun einen Zweifrontenkrieg führen: gegen die Ostgoten in Italien und gegen die Perser in dem Osten.
Streitpunkt war vor allem Lazika, eine Region am Schwarzen Meer, identisch mit dem antiken Kolchis. Der Krieg sollte bis 561/62 andauern (unterbrochen von einem Waffenstillstand, der sich nennenderweise nicht auf Lazika bezog) und die Ressourcen Ostroms überstrapazieren.
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Der Krieg gegen das Vandalenreich in Nordafrika (etwa deckungsgleich mit dem modernen Tunesien, siehe auch Africa) begann ursprünglich als eine Strafexpedition. Der dem Katholizismus nicht feindlich gesonnene arianische König Hilderich war abgesetzt und durch Gelimer ersetzt worden. Justinian bestand nun auf die Wiedereinsetzung Hilderichs, was aber strikt abgewiesen wurde. Den Charakter eines regelrechten Eroberungskampagne erhielt der Feldzug wohl erst in dem Nachhinein.
Belisar begann schließlich in den Jahren 533/34 mit einem ungefähr 15, Tausend Mann starken Heer den Feldzug, der innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen war. Dabei besiegte er die Vandalen bei Ad Decimum und Tricamarum. Am 15.09 533 fiel Karthago. Belisar nahm auch den Vandalenkönig Gelimer gefangen und führte ihn bei seinem Triumphzug durch Konstantinopel. Allerdings kam es später stets wieder zu Kämpfen mit den Berbern, die einen ständigen Unruheherd darstellten und zu mehreren Meutereien der oströmischen Garnisonstruppen.
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Die Kämpfe in Italien gegen die Ostgoten erwiesen sich langwieriger als erwartet. Hintergrund für das Eingreifen Ostroms bildeten die Intrigen und Thronkämpfe nachdem Tod Theoderichs des Großen. Seine Tochter Amalasuntha suchte eine Anlehnung an Byzanz, während Theoderichs Neffe Theodahat seine eigene Position stärken wollte. Ihm gelang es, nachdem Tod von Amalasunthas jungem Sohn, die Königswürde zu erlangen. Die Spannungen führten schließlich 535 zu dem offenen Krieg. Ein oströmischer Angriff auf Dalmatien scheiterte, während Belisar Sizilien und bald darauf Neapel einnehmen konnte. Theodahat versagte vollkommen, worauf er von Witichis abgelöst wurde. Dieser organisierte den Widerstand recht erfolgreich, verlor aber Ende 536 Rom an Belisar. Versuche, die Stadt wieder zu erobern scheiterten. Es kam zu schweren Kämpfen, die sehr wechselvoll verliefen und für die Bevölkerung Italiens mit großen Lasten verbunden waren. So wurde das von oströmischen Truppen eroberte Mailand 538 von den Ostgoten grausam zurückerobert; zudem kam es zu Hungersnöten in dem Land.
Im Mai 540 fiel das von Belisar belagerte Ravenna. Wahrscheinlich hatten ihm ostgotische Adlige die Kaiserwürde in dem Westen angeboten. Belisar ging darauf ein und eroberte so die Stadt, Witichis wanderte in die Gefangenschaft, wo er 542 in dem Range eines Patricius verstarb. Ob Belisar die Kaiserwürde ca. zu dem Schein annahm ist unklar, aber wohl am wahrscheinlichsten. Dennoch erweckte dies den Argwohn Justinians, der seinen Generälen ohnehin nie recht traute.
Durch die hohen Steuerlasten kam es in Italien jedoch bald darauf zu Aufständen, wobei sich der 542 in Pavia zu dem neuen König erhobene Totila (eigentlich Baduila), als ein kluger Stratege erwies (Propagandakampagne, Bau einer Flotte). Ca. kleine Truppenteile wurden Belisar, der 544 wieder das Kommando des italischen Kriegsschauplatzes übernommen hatte, zur Niederschlagung der Rebellion zur Verfügung gestellt, da Justinian seinem besten General nicht recht vertraute. Der so genannte zweite Gotenkrieg (541/42 bis 552) erwies sich als noch härter als der vorangegangene. Ende 546 fiel Rom an Totila, der es jedoch bald darauf wieder verlor. Die Kämpfe erstreckten sich über ganz Italien und wurden mit großer Grausamkeit geführt. 549 wurde Belisar, dem Prokop während des Feldzuges zahlreiche Versäumnisse vorwarf, abberufen und durch seinen Konkurrenten Narses ersetzt. Totila nahm derweil 550 Rom ein zweites Mal ein, konnte sich aber nicht behaupten.
Narses gelang es Anfang Juni 552, das wieder gotische Ravenna zu erobern und bald darauf die Goten unter Totila bei Busta Gallorum zu schlagen; Totila fiel dabei, womit das gotische Heer seinen Strategen verloren hatte. Unter Teja stellten sich die Goten in dem Oktober 552 in der Nähe von Salerno noch einmal zu dem Kampf, den sie aber ebenfalls verloren. Einzelne gotische Garnisonen konnten sich noch einige Jahre halten, der Krieg war damit jedoch entschieden.
Italien wurde wie Afrika zuvor einem Praefectus praetorio unterstellt; das Land jedoch war verwüstet. Bald darauf fielen die Langobarden in Italien ein und nahmen es zu dem größten Teil in Besitz.
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Der Balkan kam, was an sich nicht ungewöhnlich war, während der ganzen Regierungszeit Justinians nicht zur Ruhe. Stets wieder fielen Bulgaren und Hunnen ein, da das Festungssystem sich aufgrund der mangelnden Mannschaftsstärke als nicht ausreichend erwies, um die Sicherheit Thrakiens zu gewährleisten.
In Spanien konnte Justinian 552 in Folge von inneren Wirren in dem Westgotenreich dessen südliche Region um Cordoba und Gibraltar in Besitz nehmen. Dieser Raum blieb knapp 70 Jahre oströmisch.
Es gelang außerdem, Kontakte mit dem christlichen Äthiopien zu knüpfen, welches in dem Jemen intervenierte, sehr zu dem Verdruss der Sassaniden, die in dieser Region eigene Interessen verfolgten. Aus China konnten Seidenraupen eingeführt werden, was sich später zu einem wichtigen finanziellen Faktor entwickelte. Mit den Franken und Hunnen kam es stets wieder zu Kämpfen, die aber nicht entscheidend waren.
Buch-Tipp: Justinian. Herrschaft, Reich und Religion. Knappe, aber informative Justinian Studie. Meier legt mit diesem Büchlein eine gut lesbare Kurzbiographie vor - obwohl man sagen muss, dass nicht unbedingt der Kaiser selbst in dem Mittelpunkt steht, als vielmehr seine Zeit. Nicht ca. ist bei Meier der Einfluss seiner Habilitation zu spüren, sondern auch dessen Schlussfolgerungen. Das muss... |
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Justinian war ein "schlafloser Kaiser", der sich um viele Belange persönlich kümmerte. Seine Rechtskodifikation war bahnbrechend und sollte bis in die Neuzeit nachwirken. Allerdings musste er auch Rückschläge wie den unten besprochenen Nika-Aufstand hinnehmen. Seinen Berater Johannes der Kappadokier musste er 541 fallen lassen, da dessen Macht von dem Kaiserpaar, aber vor allem von Theodora, als Gefahrenfaktor eingestuft wurde. Justinian sorgte sich auch um die Städte und die Provinzverwaltung und, vor allem in seiner zweiten Regierungshälfte, um theologische Fragen.
Allerdings belasteten die Kriege die Staatsfinanzen. Dies, die ungebremste Bauwut und die Folgen der Pestepidemie, sorgen für stets höhere Belastungen, was schließlich zu einer teilweisen Verelendung der Bevölkerung führte.
Buch-Tipp: Money of the Incipient Byzantine Empire. Anastasius I. - Justinian I. Eine Beschreibung zum Buch " Money of the Incipient Byzantine Empire. Anastasius I. - Justinian I. " finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Um dorthin zu gelangen klicken Sie bitte auf den Link oberhalb von diesem Text. Sie werden automatisch zu diesem Buchtitel weiter geleitet. |
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Das innenpolitisch markanteste Ereignis seiner Regierungszeit war der so genannte Nika-Aufstand in Konstantinopel in dem Jahre 532, bei dem die Zirkusparteien der Blauen und Grünen verärgert durch Justinians Bestrebungen ihre Macht einzuschränken, sich zusammenschlossen und einen Gegenkaiser ausriefen. Während Justinian die Lage als verloren ansah, weigerte sich Justinians Frau Theodora, eine ehemalige Zirkusartistin, aus der Hauptstadt zu fliehen. Durch Verhandlungen des Hofkämmerers Narses mit den Aufständischen und durch Belisars Einfall mit kaisertreuen Truppen in das Hippodrom, wo sich die Aufständischen versammelt hatten, konnte der Aufstand blutig niedergeschlagen werden.
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541/42 tobte die Pest in dem ganzen Reich, woran wohl auch Justinian selbst erkrankte und sein wichtigster Jurist Tribonian sogar verstarb. Die Folgen waren weitreichend: Es kam zu Hungersnöten, und es entwickelte sich eine Endzeitstimmung, die durch andere Faktoren wie Kriege und zahlreiche Erdbeben noch verstärkt wurde. Vielleicht als Folge der Katastrophen wandte sich Justinian verstärkt theologischen Fragen zu. Es kam zu einer Zäsur in seiner Regierungszeit, seine Politik war, auch bedingt durch die Rückschläge in den Kriegen, weit weniger dynamisch als zu Beginn.
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Eine der größten Leistungen Justinians war die Kodifikation des römischen Rechts. 529 wurde der aus früheren privaten und öffentlichen Sammlungen kompilierte Codex Justinianus veröffentlicht, 533 erschienen die Digesten (auch Pandekten genannt), eine Sammlung von Schriften römischer Juristen, die neben kaiserlichen Gesetzen die zweite Gruppe geltenden Rechts darstellten. In dem selben Jahr wurden auch die Institutionen veröffentlicht, eine Art juristisches Lehrbuch. Den Abschluss dieses Corpus Iuris Civilis bildete eine Novellensammlung, in der die nach Erscheinen des Codices veröffentlichten Verordnungen Aufnahme fanden.
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Justinian entfaltete eine rege Bautätigkeit, unter anderem ließ er die Hagia Sophia nach einem Brand und später ein zweites Mal nach einem Erdbeben wieder errichten. Auch Antiochia wurde nach einem schweren Erdbeben und der Eroberung durch die Sassaniden 540 wieder aufgebaut. Das Festungssystem wurde stark erweitert, hielt jedoch dem Ansturm der Slawen bzw. der Sassaniden nicht stand. Des weiteren wurde auf seine Anweisung hin die Stadt Justiniana Prima prächtig ausgebaut (entweder handelt es sich dabei um seinen Heimatort, oder um einen in der Nähe liegenden Ortschaft, moderner Name Caricin Grad). Die Bautätigkeiten konnten zudem ca. durch fließende Steuern finanziert werden. Die hohe fiskalische Belastung war mit ein Auslöser für den Nika-Aufstand 532.
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In der Kirche seiner Zeit spielte Justinian eine dominierende Rolle. Justinian verfasste selbst theologische Traktate und leitete Kirchenversammlungen. Eifrig um Christianisierung bemüht, ließ er 529 die Akademie in Athen, den Hort neuplatonischer Philosophie, schließen, um damit den Einfluss des Heidentums auf Wissenschaft und Bildung zurückzudrängen. In der Frage innerkirchlicher Häresien scheiterten Justinians Ausgleichsbemühungen, seine Verurteilung der monophysitischen Lehre, welcher unter anderem selbst Kaiserin Theodora folgte, verschärfte ca. die schon existierenden Spannungen zwischen den monophysitischen Kirchen Syriens und Ägyptens und der antimonophysitisch, bzw. chalcedonensisch eingestellten römischen und byzantinischen Kirche.
Justinian ging auch gegen die Heiden vor, vor allem in dem südlichen Ägypten. Seine harte Religionspolitik führte in dem Sommer 529 zu einem Aufstand der Samaritaner, einer Splittergruppe des Judentums, in Palästina, der blutig niedergeschlagen wurde. In dem Jahre 534 erließ Justinian Gesetze, welche die Rechte der jüdischen Minderheit einschränkten.
Der Kaiser persönlich war fromm und ein überzeugter Anhänger der orthodoxen Kirche, der auch als Kaiser die strengen Fastenzeiten strikt einhielt. Der von Justinian verfasste Hymnus, "O einzig-gezeugter Sohn und Wort Gottes" gehört bis heute zur Liturgie der orthodoxen Kirche.
Justianian verfasste das "Liber adversus Origenem" und führte in zehn Punkten nicht-orthodoxe Lehren von Origenes auf, die am lokalen Konzil von Konstantinopel 543 verurteilt wurden.
Er war es auch, der 553 das zweite Konzil von Konstantinopel einberief, das jedoch einen Ausgleich mit den Monophysiten nicht erreichte.
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Grundriss der Rezeptionsgeschichte | |
Die Bewertung der Regierungszeit Justinians als ein goldenes Zeitalter der Spätantike, wie es noch für die ältere Forschung typisch gewesen ist, wird in der modernen Forschung zusehends in Frage gestellt. Gerade in dem außenpolitischen Bereich, wo sie auch ca. kurzfristiger Natur waren, aber auch in der Innenpolitik. Tatsächlich hatten die langen Kriege Ostrom erschöpft und zu einem Aderlass an Ressourcen geführt. Die Bewertung seiner Restaurationspolitik ist aber auch heute noch umstritten. Ostrom war am Ende seiner Regierungszeit zweifellos die Vormacht in dem Mittelmeer, ganz nachdem antiken Reichsideal, allerdings erkauft mit hohen Opfern. Vgl. dazu Lilie, Byzanz und Meier, Justinian (siehe Literatur).
Kritik am Kaiser hatten aber bereits Zeitgenossen geübt, hier vor allem Prokop in seiner Geheimgeschichte.
Einen sehr guten Überblick bezüglich der eschatologischen Erwartungen in dem "Zeitalter Justinians" (z.B. in dem Hinblick auf die Pestepidemie und mehrere Naturkatastrophen) gibt Meier, Das andere Zeitalter Justinians (siehe Literatur).
In theologischen Fragen näherte sich Byzanz unter Justinian bereits dem Mittelalter an. Man wirft Justinian vor, zu einer Verhärtung der Fronten beispielsweise in dem Zusammenhang mit den Monophysiten beigetragen und somit indirekt die Kraft des Reiches geschwächt zu haben.
In der orthodoxen Kirche wird Justinian jedoch ebenso wie seine Frau Theodora I. als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist sein Todestag, der 14.11
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Justinian ist bis in die jüngste Vergangenheit hinein als eine der leuchtendsten Herrscherfiguren der Spätantike gefeiert worden. Problematisch scheint jedoch eine grundsätzliche Bewertung zu sein. Unter Justinian wurden die letzten Reste der alten römischen Volkssouveränität beseitigt. In Italien gingen die eroberten Gebiete bis auf einige Randgebiete wieder verloren. In dem Osten musste das Reich um das nackte Überleben kämpfen und sich den Frieden teuer erkaufen. Dazu erwies sich gerade die Pestepidemie als verheerend. Große Teile des Reiches wurden entvölkert, die finanzielle Kraft dadurch ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. In den Bereichen der Jurisprudenz und der Religionspolitik war Justinian wegweisend, außenpolitisch waren seine Erfolge jedoch ca. kurzfristiger Natur; die von ihm angestrebte Restauratio imperii war auf Sand gebaut und das Werk zerfiel bereits kurz nachdem Tod des Kaisers.
Eine Zäsur ist in den 40er Jahren zu sehen. War die Zeit vorher von Dynamik gekennzeichnet (Rechtskodifikation, Bautätigkeit, Restaurationspolitik), folgte nun eine gewisse Agonie, auch bedingt durch die Katastrophen der Pest, der andauernden Kriege in dem Westen und Osten. Und dennoch wurde in der Zeit Justinians der Weg für das byzantinische Reich bereitet, auch wenn dies noch ein langer Prozess war. Zu Beginn seiner Regierung war das Reich noch spätrömisch, zu dem Ende hin sind starke frühbyzantinische Züge (gerade in dem religiösen Bereich) deutlich zu erkennen. Ein Wechsel deutete sich bereits an.
Die Regierungszeit Justinians stellt eine Phase des Übergangs der Alten Welt zu dem Mittelalter dar; seine Restaurationspolitik erweckte zudem ein letztes Mal den Traum des Imperium Romanums zu dem Leben. Ein Friedensfürst war er allerdings nicht, zumal seine Regierungszeit für die Bevölkerung mit schweren Lasten verbunden und von einer eher intoleranten Religionspolitik geprägt war.
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Weiteres zu dem Artikel Justinian I. |
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